Bandscheibenvorfälle

Lumbale Bandscheibenvorfälle bei Gesunden finden sich kernspintomografisch bei 20–30 % der unter 60 Jahre alten Probanden und bei > 60 % der über 60 Jahre alten Menschen (Jensen et al. 1994). Bei der Diagnostik  von Bandscheibenvorfällen ist es daher wichtig eine korrekte Zuordnung der klinischen Beschwerden zu den Veränderungen im Kernspintomographischen Bild vornehmen zu können. Dazu ist neben klinischen Tests auch die Kontrolle mittels elektrophysiologischer Untersuchungen (Elektromyographie, NLG, SEP) wichtig. Diese gibt Hinweise auf das Ausmaß einer Nervenschädigung durch die Nervenwurzelkompression und auf deren genaue Lokalisation.

Für die Behandlung ist eine frühzeitige und ausreichende schmerzlindernde und abschwellende Therapie mit NSAR,  muskelrelaxierenden Medikamenten und bei starken Schmerzen kurzzeitig auch Opioiden zu empfehlen.

Bei frühzeitig operierten Patienten bilden sich Schmerzen und neurologische Defizite rascher zurück als bei nicht oder spät operierten Patienten. Nach Ablauf eines Jahres findet sich kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen (Peul et al. 2007, Weinstein et al. 2006).

Bei der Entwicklung chronischer Schmerzen ist eine Kombination mit Physiotherapie und psychotherapeutischen Verfahren (Verhaltenstherapie, Schmerzbewältigungsprogramme) angezeigt.

Beim Übergang vom akuten in einen chronischen Schmerz können auch beim lumbalen Bandscheibenvorfall schmerzdistanzierende (Antidepressiva) und membranstabilisierende Medikamente (Antiepileptika) eingesetzt werden (Chou u. Huffman 2007b, Urquhart et al. 2008, Lunn et al. 2009, Moore et al. 2009, Wiffen et al. 2011).